Vordere Loner

Schwieriges Alpinwandern mit der einen und anderen Klettereinlage über den Südgrat auf das riesige Felsmassiv Gross Loner bei Adelboden.

Olli auf den letzten Metern des Gipfelgrates des Gross Loners.
Olli auf den letzten Metern des Gipfelgrates des Gross Loners.

Sonntag, 02. Juli 2023

Ich war gerade mal fünf Tage von meiner Wanderung nach Wien zurück und schon juckte es mich wieder in den Beinen. Eigentlich waren meine Füsse müde, aber von 100 auf Null zurückfahren tat auch nicht so gut. Zudem stand der Termin mit Dominik bereits seit Wochen fest und ich wollte ihn nicht missen.

Es sollte wieder mal richtig in die Höhe gehen, doch irgendwie spielte das Wetter nicht so mit. Wir suchten nach einem Ziel das hoch liegt, aber wegen evtl. Niederschlag und Nässe nicht erklettert werden muss.

Auf der Engstligenalp.
Auf der Engstligenalp.

Mit dem Gipfel des «Vordere Loner» des Gross Loner-Massivs fanden wir ein geeignetes Tourenziel für einen Eintäger. Alpinwandern bis T6-, Kletterpassagen bis zum II Grad und eine stattliche Höhe von 3’048m für die Akklimatisierung kommender Bergtouren.

Geplant, getan: Mit dem Auto ging es nach Adelboden, wo wir das Fahrzeug auf dem kostenfreien Parkplatz (ja, das gibt es tatsächlich noch) der Bergstation Engstligenalp abstellten. Die Seilbahn brachte uns hoch auf die Alp, wo wir uns im Bergrestaurant vor dem Losmarschieren noch mit Kaffee und Gipfeli stärkten.

Das Massiv des Gross Loners im Wolkengewand.
Das Massiv des Gross Loners im Wolkengewand.

Der Himmel war wolken- und nebelverhangen, doch ab und zu gelang es der Sonne durchzubrechen und die Landschaft in einem mystischen Bild erscheinen zu lassen. Die Route führte uns entlang dem Ärtelegrat hinauf in Richtung Tshingellochtighore. Bei Pt. 2'430 verliessen wir den Bergwanderweg in Richtung Norden bis wir den Schedelsgrätli erreichten.


Diesem folgten wir bis zu den ersten Felsen des Südgrates, welchen wir rechts (östlich) umgingen. Dort ist darauf zu achten, dass für den Steilaufstieg das vierte Couloir gewählt wird. Die Rinne mit Geröll sieht ein wenig wild aus, doch die Begehung im Auf- sowie im Abstieg ist mit einer gewissen Vorsicht problemlos machbar.

Von der erreichten Geröllschulter verlief der weitere Weg mehr oder weniger immer auf dem Grat. Für eine detaillierte Beschreibung verweise ich auf die Fachliteratur oder Berichte auf Hikr. Die anspruchsvolleren Stellen sind mit Sicherungsstangen ausgestattet, die zwar schon recht verbogen, aber immer noch gut verankert sind. Wir benutzten diese nur für den Abstieg; der Aufstieg lässt sich mit einem Pickel relativ gut bewerkstelligen.


Der letzte Teil des Gipfelaufschwungs begeht man auf viel Geröll und Schutt. So muss es wohl auf dem Mond aussehen, dachte ich mir, als gerade das Gipfelkreuz aus dem Nebel hervorkam und das Tourenziel greifbar nah war.

Leider hatten wir aufgrund der Wetterlage keine bemerkenswerte Aussicht. Dafür konnten wir uns auf das Mittagessen konzentrieren und ein paar interessante Anekdoten im Gipfelbuch nachlesen. 

Der Abstieg erfolgte analog der Aufstiegsroute. Im steileren Gelände seilten wir uns von Stange zu Stange ab (30m Seil). Zurück auf der Engstligenalp, gönnten wir uns ein Stück Kuchen und ein Gipfelbier für unverschämte 30.- Franken (2x Bier 15.- und 2 Stk. Kuchen 15.-).

Die gute Stimmung kam aber wieder auf, als wir mit der Globi-Seilbahn zur Talstation runterfuhren und während der Rückfahrt nochmals die Tour revue passieren liessen. Fazit: Ein toller Eintäger mit vielen alpinen Elementen in einer herrlichen Landschaft!

Ins Tal hinunter ging es mit der Globi-Seilbahn :-)
Ins Tal hinunter ging es mit der Globi-Seilbahn :-)

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